Zehn Tage auf den großen Alpenpässen: Stilfserjoch, Großglockner und die Dolomiten
Eine langsame, kurvenreiche Runde durch die italienischen und österreichischen Alpen - wie wir sie geplant haben, wie sich jeder Pass wirklich fährt und was er kostet.
Beim ersten Mal haben wir das Stilfserjoch falsch angepackt. Wir kamen um 11 Uhr im August an, reihten uns in eine kriechende Motorradkolonne ein und starrten die berühmten 48 Kehren lang auf jemandes Auspuff. Als wir zurückkamen, um die drei großen Pässe zu einer Runde zu verbinden, planten wir nach einer einzigen Regel: um sieben auf der Straße, um zwölf wieder herunter. Das änderte alles.
Das ist die Route, auf die wir uns nach zwei Sommern des Tüftelns geeinigt haben - rund 1.150 km von den Dolomiten zum Großglockner und zurück, in zehn entspannten Tagen gefahren. Es ist kein Rennen. Der halbe Sinn ist das Dorf, in dem man hält, während ein Pass noch im Schatten liegt.
Wie wir die Runde gelegt haben
Wir haben die Route auf drei Schlüsselanstiege aufgebaut und den Rest darum herum wachsen lassen. Zwischen den großen Tagen hielten wir die Fahrten kurz - zwei, drei Stunden - sodass immer Zeit blieb für ein Bad im See, ein langes Mittagessen oder einfach nichts, während der Van auf einer Wiese abkühlte.
Sanfter Einstieg auf der Großen Dolomitenstraße von Bozen über Pordoi- und Sellajoch. Nach Alpenmaßstäben gemütlich, anzusehen atemberaubend.
Der große Brocken: 2.758 m, 48 nummerierte Kehren auf der Prad-Seite. Wir schliefen im Tal und stiegen im Morgengrauen auf.
Weiter Richtung Osttirol, italienische Serpentinen gegen weite österreichische Täler und die Auffahrt zu den Hohen Tauern getauscht.
Österreichs Vorzeige-Hochstraße zur Franz-Josefs-Höhe, dann eine lange, leichte Abfahrt zurück zum Start.
Wie sich die Pässe wirklich fahren
Alle fixieren sich auf das Stilfserjoch, doch die drei Anstiege fühlen sich völlig unterschiedlich an. Die Dolomitenpässe sind theatralisch und voll, aber nie technisch. Das Stilfserjoch ist gnadenlos - man lenkt fast pausenlos, im niedrigen Gang, fast eine Stunde lang. Der Großglockner ist der geschmeidigste der drei: eine eigens gebaute Panoramastraße mit gleichmäßiger Steigung, breit genug, dass einem beim Gegenverkehr mit dem Reisebus nicht der Magen absackt.
Saison, Maut und was es kostet
Das sind Sommerstraßen. Stilfserjoch und Großglockner öffnen meist ab Ende Mai oder Juni und schließen mit dem ersten ernsten Schnee im Herbst - nie annehmen, immer in der Reisewoche die offiziellen Seiten prüfen. Zwei der drei Anstiege kosten Maut, und dazwischen brauchst du eine österreichische Autobahnvignette.
Die Pässe auf einen Blick (Saison 2026)
- Großglocknerstraße
- 40,00 € pro Auto / TagMaut; meist Anfang Mai-Anfang November geöffnet
- Stilfserjoch
- KostenlosMeist Juni-Oktober, wetterabhängig
- Dolomitenpässe
- KostenlosFast ganzjährig offen; einige nach Schneefall kurz gesperrt
- Vignette Österreich
- 12,40 € (10 Tage)Auf österreichischen Autobahnen/Schnellstraßen zwischen den Pässen nötig
Quelle: grossglockner.at & asfinag.at (aktuelle Preise prüfen)
Kalkuliere eine Großglockner-Maut, eine Vignette und reichlich Sprit ein - Bergfahren ist durstig. Alles andere hier ist mautfrei; der wahre Preis ist Zeit, und die lohnt es sich großzügig auszugeben.
Quellen & Weiterlesen
Wir prüfen die Angaben in diesem Guide anhand offizieller Quellen und vermerken, wann wir ihn zuletzt aktualisiert haben.
Häufige Fragen
Kann ich diese Pässe mit Campervan oder Wohnmobil fahren?
Ja - wir machen es mit einem ausgebauten Van. Stilfserjoch und Großglockner werden täglich von Reisebussen befahren, an der Breite liegt es also nicht. Gewicht und Bremsen sind entscheidend: im niedrigen Gang abfahren, und mit einem schweren Wohnmobil die Pässe früh nehmen, wenn wenig Verkehr ist und man nicht mitten in der Kehre halten muss.
Wann öffnen und schließen die Pässe?
Als Faustregel laufen die hohen Pässe etwa von Juni bis Oktober, der Großglockner oft schon ab Anfang Mai. Die genauen Daten verschieben sich jedes Jahr mit der Schneelage, also lieber in der Woche davor die offiziellen Straßenseiten prüfen als dem Kalender vom Vorjahr vertrauen.
Sind zehn Tage zu langsam für diese Route?
Für uns war es genau richtig, aber man kann dieselbe Runde in fünf oder sechs Tagen fahren, wenn man die Ruhetage streicht. Schneller würden wir nicht fahren - kurze Fahrtage sind der Grund, warum man jeden Pass im Morgengrauen erklimmen kann, und genau das ist der ganze Trick.
